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19.09.2022: Bisti Badlands und Mesa Verde

Gestern haben wir Colorado verlassen und sind für kurzen Abstecher nach New Mexico abgebogen. Interessanterweise merken wir diesmal relativ schnell, dass wir in einem anderen Bundesstaat angekommen sind, denn New Mexico fühlt sich eher mexikanisch, als amerikanisch an.

Logisch eigentlich, denn immerhin war New Mexico bis zu seinem Verkauf an die USA im Jahr 1853 mexikanisch und hat auch heute noch – vor allem aufgrund der Nähe zur mexikanischen Grenzen – einen sehr großen Anteil an mexikanisch-stämmiger Bevölkerung.

Daneben sind wir aber auch in der Navajo Nation, dem größten Indianerreservat der USA, angekommen. Auch dies merkt man immer relativ schnell, allerdings leider nicht nur aufgrund der Navajo-Namen, sondern auch, weil die Orte – gerade im Vergleich mit amerikanischen Ortschaften – sehr ärmlich sind. Fast die Hälfte der Navajo-Indianer leben unter der Armutsgrenze und viele versuchen sich ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen, dass sie indianisches Kunsthandwerk und Souvenirs an den Straßen verkaufen.

 

Bisti Badlands

Der Hauptgrund unseres Abstechers nach New Mexico ist aber weder der mexikanische Flair noch sind es die Navajo, sondern wir sind auf dem Weg in die Bisti/De-Na-Zin Wilderness, auch bekannt als Bisti Badlands.

Die Bisti liegen in der Hochwüste und sind eine hügelige Badlands-Landschaft, in der über Millionen von Jahren durch Wasserablagerungen von Meeren, Flüssen und Sümpfen seltsame Felsformationen aus Sandstein, Schiefer, Kohle und Schlamm geschaffen wurden. Zudem sind durch die Verwitterung des Sandsteins Felsen in Form von Zinnen, Türmen, Felskappen und anderen ungewöhnlichen Formen entstanden, die als Hoodoos bezeichnet werden.

Hier gehen wir heute auf “Felsformationen-Jagd”, denn einen Trail gibt es hier nicht. Vielmehr kann man sich im Internet die GPS-Koordinaten zu den besten Formationen und Hoodoos herunterladen und diese dann überall in der Hochwüste und zwischen den hohen Mesas (=Tafelbergen) suchen.

Leider sind die GPS-Angaben aufgrund des eingeschränkten GPS-Signals in diesem Gebiet nicht immer sonderlich genau, daher heißt es suchen und vor allem auch die Fantasie spielen lassen. Wie will man denn sonst zum Beispiel die “Chocolate Hoodoos”, die “Cracked Eggs” oder die “Table Tops” zwischen den ganzen anderen Felsen erkennen?!

Neben den bekannten und benamten Formationen bleibt übrigens auch noch genug Spielraum selbst kreativ zu werden. So finden wir zum Beispiel den “Tombstone”, den “Zombie Cemetery” und die “Molten Icecream”. Oder welche Namen wären Euch für die Formationen eingefallen?

So oder so, das ganze ist ein riesiger Spaß und so rennen wir vergnügt über 3 Stunden durch die Wüste bis es uns schließlich wieder zum Wagen zurücktreibt.

Kurz vor Ende schafft Kai es übrigens noch die wahrscheinlich einzig nasse/ matschige Stelle in der knochentrockenen Wüste zu finden und versinkt nahezu mit dem gesamten Schuh im Schlamm. Hihihi…

Die Bisti wurden übrigens bereits 1984 unter Schutz gestellt, da es in dem Gebiet sehr viel bodennahe Kohle gibt, die sehr leicht abgebaut werden könnte, was durch das Schutzgebiet nun nicht mehr möglich ist.

Ich finde es immer interessant, dass in einem Land in dem Umwelt-/ Klimaschutz, Nachhaltigkeit usw. oft nur eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint, dann wiederum riesige Landschaftsgebiete – teilweise auch unter Verzicht auf erhebliche Gewinne – geschützt werden. Aber das ist ja gut so!

Four Corners Monument

Nach den Bisti machen wir uns – vorbei an Shiprock – auf den Weg nach Cortez, wobei wir auf den Weg noch einen Umweg fahren, um einen Stopp am Four Corners Momument einzulegen.

An dieser Stelle treffen die Grenzen von vier Bundesstaaten – Arizona, New Mexico, Utah und Colorado – aufeinander, was nirgendwo anders in den USA vorkommt. So besteht hier die Möglichkeit, dass man in allen vier Staaten gleichzeitig steht.

Das Monument befindet sich ebenfalls in der Navajo Nation und kostet $8 Eintritt pro Person. Dafür bekommt man das Erlebnis auf einer schlechten Dirtroad zu fahren, als Sanitäreinrichtung nur Plumpsklos zu haben, auf denen man sich nicht die Hände waschen kann und das bereits erwähnte Erlebnis, welches sich darin erschöpft, auf einer Metallplatte zu stehen.

Insgesamt können wir sagen, dass sich der Umweg nicht unbedingt gelohnt hat, aber wir froh sind, es abgehakt zu haben.

Mesa Verde
Wetherill Mesa und Longhouse Tour

Heute war wieder Nationalpark-Tag. Mit Mesa Verde sind wir nun bei 41 von 63 National Parks angekommen. Einfach großartig!

Es stimmt, da fehlen noch ein paar, aber von den 63 Parks befinden sich auch 12 in Alaska und diversen Überseegebieten, insofern sind nur 51 mit “normaler Urlaubsanstrengung” erreichbar. Und das sind dann gar nicht mehr so viele 🙂

Auf Mesa Verde waren wir sehr gespannt, da hier 800 Jahre alte “Cliff Dwellings” geschützt werden, also Felsalkoven, in welche die Pueblo-Ureinwohner ihre Behausungen gebaut haben. Wir waren uns nicht sicher, ob das langweilig sein würde oder nicht. Zum Glück war es das nicht.

Nach der einstündigen Anfahrt, die zum größten Teil durch den Park selbst ging, kamen wir am Parkplatz der Wetherill Mesa an. Da wir mit Straßenarbeiten gerechnet hatten, die dann doch nicht durchgeführt wurden, hatten wir noch eine Stunde Luft, bis zu unserer Tour zum Long House. Diese nutzten wir, indem wir das Step House besuchten.

Das Step House ist ebenfalls ein Cliff Dwelling, nur viel kleiner als das Long House. Es kann auch ohne Ranger angesehen werden, wobei dann natürlich die geschichtlichen Hintergrundinformationen fehlen, was die Steinhäuser dann einfach nur als alte Steinhäuser dastehen lässt.

Die Tour zum Long House war glücklicherweise von einer Rangerin geführt, die allerlei interessante Informationen zur Geschichte der Bauten und der Kultur der Pueblo erzählte.

Kurz zusammen gefasst haben die Pueblo Ureinwohner im 13. Jahrhundert angefangen Wohnungen in die Felsalkoven zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie bereits mehrere hundert Jahre oberhalb, auf dem Plateau der Mesas, gewohnt. Warum sie sich nach Hunderten von Jahren dafür entschieden haben ihre Behausungen nun anders zu errichten, ist unbekannt. Die Rangerin vermutete, dass Menschen – damals wie heute – Dinge einfach tun, nicht weil sie Sinn ergeben, sondern weil ihnen der Sinn danach steht.

Für etwa ein Jahrhundert lebten im Long House um die 150 Menschen, bevor sie im 14. Jahrhundert ebenfalls aus unbekannten Gründen gen Süden in das Gebiet des heutigen New Mexicos zogen. Man vermutet, dass dies aufgrund einer schlimmen Dürreperiode passierte, sicher ist man aber nicht.

Aufgrund der Erzählungen der Rangerin wurden die alten Gebäude mit Leben gefüllt, was die Tour sehr interessant machte. Wir waren froh, dass wir doch hierher gekommen waren und freuen uns auf unsere zweite Tour morgen früh.

Im Anschluss an die Tour lernen wir noch Ursula und Richard kennen. Die beiden haben ebenfalls alles aufgegeben und reisen durch Nord- und Südamerika, im Gegensatz zu uns jedoch mit einem eingeschifften Sprinter, den sie wohntauglich umgebaut haben. Den Rückweg vom Long House und auf dem kleinen Abstecher zum Overlook auf die Nordenskiold Site 16, haben wir uns über unsere und ihre Reise unterhalten, was sehr spannend war.

Falls Ihr also noch weitere Reiseblogs sucht und/ oder was zum Camperausbau sehen möchtet, schaut doch mal auf Sprinterolli mal bei den beiden vorbei.

Da wir uns total verquasselt haben, waren wir dann leider etwas zu spät wieder am Motel, wo wir eigentlich die zweite Hälfte des Tages mit Planung der kommenden Wochen verbringen wollten. Glücklicherweise haben wir trotzdem zumindest noch ein bisschen was geschafft.

Nun ist es schon wieder 20.00 Uhr und wir machen jetzt Schluss, da wir uns die zweite Hälfte von Thor – Love and Thunder anschauen werden 😀

Morefield Canyon, Chapin Mesa und Cliff Palace Tour

Heute ging es für uns ein zweites Mal nach Mesa Verde. Nachdem wir gestern relativ schnell durch den Park durchgefahren waren, nahmen wir uns heute ausreichend Zeit und hielten an den diversen Overlooks, von denen wir einen unglaublichen Blick auf die umliegende Umgebung hatten.

Außerdem konnten wir an den Far View Sites alte Gebäude der Pueblo-Ureinwohner besichtigen, die sich diesmal auf dem Mesa-Plateau befanden.

Pünktlich zu Tour um 10.30 Uhr kamen wir dann am Cliff Palace, dem größten Cliff Dwelling in Mesa Verde, an. Man schätzt, dass hier zu Hochzeiten um die 20 Familien mit 120 – 150 Personen lebten. Im Gegensatz zum Long House gestern fanden wir das Cliff Palace dementsprechend schon ein wenig eindrucksvoller.

Auch wenn diese „Tour“ deutlich kürzer ist, als die im Long House, gibt es hier zwei Stationen, an denen die Ranger viel von den Ureinwohnern und ihrem damaligen Leben erzählen. Vieles haben wir schon gestern gehört, finden es aber auch ein zweites Mal ziemlich interessant.

Schade ist tatsächlich, dass wir viele der Infos, die wir auf Touren lernen oder auf Schildern lesen, oft bald wieder vergessen. Wenn jemand also gute Tipps hat, wie wir dieses Wissen langfristig abspeichern können, bitte immer her damit. Wir würden es sehr gerne behalten.

Anschließend haben wir noch ein wenig Zeit. Da wir keine Tickets für die dritte Tour zum Balcony House bekommen haben, entscheiden wir uns für den kurzen Soda Canyon Overlook Trail, der einen Viewpoint auf das Cliff Dwelling haben soll.

Das ist grundsätzlich auch richtig, leider ist das Balcony House aber ziemlich weit weg und nur dem guten Zoom unser Kamera zu erkennen. Da das Dwelling im Vergleich zu den beiden anderen, die wir gesehen haben, deutlich kleiner zu sein scheint, sind wir nun aber nicht mehr so traurig, dass es mit der Tour nicht geklappt hat.

Ansonsten bietet der Trail noch zwei nette Overlooks auf den Soda Canyon, der – wie alle Canyons im Park – schon ziemlich eindrucksvoll ist.

Abschließend fahren wir noch zum Spurce Tree House, dass man bis 2015 ohne Ranger-Tour besichtigen konnte. Da das Areal aber stark steinschlaggefährdet ist, ist der Zugang seit langer Zeit gesperrt und die Site kann nur noch von Weitem betrachtet werden. Das Cliff Dwelling ist zwar ebenfalls nicht besonders groß, dafür sind die Behausungen die am besten erhaltenen im Park.

Gerade als wir überlegen, ob wir noch Lust auf den 4 Kilometer langen Point Lookout Trail haben, treffen wir zufällig Ursula und Richard wieder. Irgendwie haben sich Langzeitreisende zu viel zu erzählen, auf jeden Fall quatschen wir uns (gerne) schon wieder fest. Als wir uns schließlich verabschieden, ist es für den Trail zu spät, aber zum Mittagessen reicht die Zeit noch.

Also halten wir für einen kleinen Snack noch kurz an einem Picknick-Spot, bevor wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, dem Mola Lake Campground, machen.

Dieser liegt wenige Kilometer unterhalb des 3.330 Meter hohen Mola Passes in den San Juan Mountains und bevor wir auf den Campground fahren, müssen wir erstmal am Pass anhalten und die Aussicht genießen. Kai fährt später abends sogar nochmal extra hoch, um die Reste des Sonnenuntergang zu erwischen.

Vom Mola Lake aus werden wir morgen den für seine grandiosen Bergpanoramen bekannten Million Dollar Highway abfahren. Bereits auf dem Weg hierher haben wir erste wundervolle Aussichten genießen und einen guten Vorgeschmack auf den morgigen Tag bekommen können.

Am Mola Lake Campground angekommen, stehen die bekannten Tätigkeiten an, allerdings verbringen wir auch noch viel Zeit damit die umliegenden Berge betrachten. Nicht umsonst und völlig zu Recht gilt Mola Lake als der Campground mit den schönsten Aussichten in ganz Colorado.

Leider soll das Wetter ab morgen für die nächsten drei Tage sehr regnerisch werden, aber wir hoffen bisher noch das Beste.

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