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Die Mutter aller Straßen – Unterwegs auf der Route 66

Sie ist das Symbol für Freiheit, Abenteuer und Ungebundenheit – die Route 66.

Einst führte sie mit einer Länge von 2.451 Meilen (3.944 Kilometer) durch acht amerikanische Bundesstaaten. Als US-Highway 66 verband sie damals einfach bereits bestehende Straßen miteinander und wurde so eine der ersten durchgehenden Ost-West-Verbindungen durch Amerika.

Diverse Teilstücke führten jedoch mitten durch Ortschaften, waren nicht geteert oder genügten nicht den Ansprüchen eines Highways. Erst 1937 war die gesamte Strecke asphaltiert. In der Zeit um den zweiten Weltkrieg und danach wurde die Route 66 aufgrund der florierenden Industrie Kaliforniens zu einer stark frequentieren Strecke, so dass entlang der Straße eine Vielzahl von Tankstellen, Motels, Diners und Geschäften entstanden.

Als das Verkehrsaufkommen jedoch weiter und weiter wuchs konnte die Route 66 als einfache, oft kurvenreiche und einspurige Landstraße dem wachsenden Verkehr immer weniger gerecht werden, so dass man schließlich – nachdem der Verlauf der ursprünglichen Route 66 bereits mehrfach verändert wurde – die modernden mehrspurige Interstates baute. Als Folge verlor der US-Highway 66 an Bedeutung, ganze Teilstrecken und Orte verfielen.

Am 13. Oktober 1984 wurden die letzten verbleibenden Meilen der Route 66 durch eine Interstate ersetzt, am 27. Juni 1985 dann die Bezeichnung U.S. Highway 66 offiziell aufgehoben. Etwa zur gleichen Zeit begann jedoch auch der Kult um die Straße der Sehnsucht, die als Symbol der Freiheit ein neues Bild des amerikanischen Traums prägt.

In den 1990-iger Jahren entstanden daher in zahlreichen Städten und Gemeinden Heimatvereine, die die Erinnerung an “ihre Straße” hochhalten wollen und ihr Einsatz und ihr Engagement macht sich bezahlt – 2005 wurden Teilstücke der Straße zum nationalen Kulturerbe und zum “National Historic Highway” erklärt.

Das heute schönste Teilstück der Route 66 existiert in Arizona zwischen Seligman, Kingman, Oatman und Topock. Zunächst eben und auf langen geradeaus verlaufenden Straßen, später durch sehr hügeliges bis bergiges Gelände, versetzt einen die Straße abwechselnd in die Goldgräberzeit des Wilden Westens und in die 1950-iger Jahre.

Und dies ist genau das Teilstück, welches wir im Rahmen unser Rundreise kennenlernen möchten.

Seligman

Der erste Stopp auf unserem Weg vom Grand Canyon nach Needles ist Seligman, Arizona.

Der kleine Ort mit nicht mal 500 Einwohner gilt als Geburtsstätte der historischen Route 66, da seine Bewohner – insbesondere der Frisör Angel Delgadillo – am härtesten dafür kämpften, dass die Route 66 als “State Historic Route” anerkannt und geschützt wird.

Heute bietet Seligman mit ein paar alten Geschäften und Oldtimern vor allem viele, schöne Fotomotive der gute alten Zeit.

Hackberry

Bis zu Eurem nächsten Stopp Hackberry sind es von Seligman aus knapp 100 Kilometer. Viel Verkehr herrscht hier in der Regel nicht, leider ist die Landschaft aber nicht so beeindruckend, als das Ihr dies ausnutzen könnte.

Vielmehr werdet Ihr für jede Kleinigkeit dankbar sein, die das doch eher trostlose Bild links und rechts der Straße ein wenig auflockert.

Schließlich erreicht Ihr Hackberry, Arizona. Nachdem der Ort 1978 durch den Bau der Interstates zur Geisterstadt wurde, steht dort heute nur noch der Hackberry Genral Store.

Der ehemalige Gemischtwarenladen der Stadt wurde 1992 als Souvenirshop und Visitor Center wiedereröffnet, ist aber mittlerweile mehr eine Art Museum mit einer umfangreichen Sammlung  alter Erinnerungsstücke an die Route 66 und die gute alte Zeit.

Bereits auf dem Parkplatz kommt Ihr an den unzählige Antiquitäten, Sammelstücken und Raritäten aus den 1950-iger und 1960-iger Jahren nicht vorbei.

Doch auch im Inneren des Gebäudes gibt es viel zu sehen. Regale voller alter Straßenschilder, Postkarten, Nummernschildern, Sticker, Aufkleber, T-Shirts, Hüte, Bücher, Modellautos, Schilder – hier findet Ihr einfach alles zum Thema der Route 66.

Viele Touristen hinterlassen außerdem Erinnerungsstücke, welche die Wände und Decken des General Stores zieren. Hier müsst Ihr wirklich aufpassen, dass Ihr die Zeit nicht vergesst und Ihr Euch auch irgendwann wieder ins Auto schwingt.

Kingman

Von Hackberry sind es dann noch rund 50 Kilometer bis Kingman. Wenn Ihr Interesse habt, dann könnt Ihr Euch hier auf der Beale Street/ Downtown Häuser aus der Gründerzeit anschauen. Wir haben auf diesen Abstecher jedoch verzichtet und uns auf die Durchfahrt und das Foto eines alten Polizeiwagens beschränkt.

Oatman

Auf den nächsten 50 Kilometern bis nach Oatman wird die Landschaft dann sehenswerter, die Straße allerdings auch deutlich abenteuerlicher.

In steilen Serpentinen windet sich die Route 66 durch die Black Mountains den Sitegreaves Pass hinauf. Hier gibt es zwar tolle Aussichten, aber auch atemraubende Kurven und Abgründe.

Schließlich erreicht Ihr Oatman und Ihr solltet Euch nicht wundern, wenn Ihr hier erstmal im Stau steht. Dies kommt öfter vor und liegt im Zweifel daran, dass überall Esel mitten auf der Straße stehen.

Oatman ist eine ehemalige Goldgräberstadt in den Black Mountains. Bis 1924 eine der größten Goldminen des Ortes geschlossen wurde, wurde hier Gold für rund 30 Millionen Dollar abgebaut. 1941 wurde der Goldabbau dann gänzlich untersagt, weil während des Zweiten Weltkrieges andere Metalle dringender benötigt wurden. Heute wird in der Nähe der Stadt allerdings wieder Gold gefördert.

Nach Ende des Goldrausches und der Fertigstellung der Interstate zwischen Kingman und Needles, verfiel Oatman zunächst, wie viele andere Städte an der Route 66 auch, nahezu zu einer Geisterstadt.

Mit dem Kult um die Route 66 wurde der Ort jedoch touristischer Anziehungspunkt, insbesondere weil der Straßenabschnitt von Kingman nach Oatman über den verschlungenen Sitgreaves-Pass als eines der schönsten Teilstücke der Route 66 gilt.

Die größte Attraktion des Ortes sind aber wohl die in der Stadt frei umherlaufenden Esel, die Burros genannt werden. Diese wurde einst von ihren Besitzer freigelassen, nachdem sie nach Schließung der Goldminen nicht mehr als Lasttiere gebraucht wurden.

Überall gibt es Futter zu kaufen, damit Ihr die Esel füttern könnt. Allerdings sind diese aufgrund der fütternden Besuchermassen meist total überfressen und daher eher wenig interessiert, so dass Ihr Euch das Geld hierfür auch sparen kann. Anfassen und Fotografieren könnt Ihr die Esel auch so.

Neben den Eseln lebt Oatman von der guten alten Westernzeit. Auf der Straße finden täglich zu bestimmten Uhrzeiten Schießereien und Postkutschenüberfälle statt, dazu gibt es Oldtimer-Rallyes und einmal jährlich am 04. Juli den Sidewalk-Egg-Fry-Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer versuchen, auf den durch die Sonne aufgeheizten Gehsteigen Spiegeleier zu braten.

Und natürlich fehlt es auch nicht an der typischen, nostalgischen Kulisse. Die Gebäude sehen noch so aus wie damals und die kleinen Geschäfte in den Saloons bieten alles mögliche an Souvenirs rund um Wild West und Route 66 an.

Needles

Nun sind es nur noch rund 35 Kilometer bis Ihr Needles, das Ziel des heutigen Tages erreicht. Der kleine Ort liegt bereits wieder in Kalifornien und ist für seine extreme Hitze bekannt, die Temperaturen erreichen hier im Sommer regelmäßig 49 Grad Celsius. Und auch bei unserem Besuch lässt sich das Wetter nicht lumpen, wobei wir mit “nur” 30 Grad auskommen müssen.

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