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10.09.2022: Wind Cave National Park und Auszeit in Cheyenne

Irgendwann spät in der Nacht ist es dann doch noch abgekühlt und es hat angefangen zu regnen. Eigentlich gut, aber Regen beim Campen ist sch…. Es ist dann einfach alles nass und dreckig und kann nicht richtig zusammengepackt werden. Aber so war es nun mal. Außerdem hatten wir nachts mal wieder Besuch von einem Nervvogel. Dieser krähte so durchdringend, dass mir nichts anderes übrig blieb, als mit Ohrstöpseln zu schlafen. Yasmin war da härter und schlief ohne.

Nachdem wir morgens aus dem Zelt geklettert waren, stand – noch vor dem ersten Kaffee – erstmal ein kurzes Test-Telefonat mit der Trauzeugin von Yasmins Schwester an, denn wir werden am Samstag bei der Party als Überraschung live dazugeschaltet. Glücklicherweise lief das alles problemlos und wir sind auch froh, dass wir jetzt endlich eine Auslands-SIM und damit mobiles Internet haben.

Danach stand der morgendliche Trott an, den kennt Ihr ja mittlerweile auch zu Genüge. Da alles nass war, mussten wir im Wagen frühstücken und das Zusammenpacken des nassen Zeugs dauerte ewig, aber heute hatten wir ein wenig Zeit. Unsere Höhlentour im Wind Cave National Park startete erst um 09.30 Uhr und es waren nur rund 20 Minuten zu fahren.

Wind Cave National Park

Die Fahrt zu unserem 38. Nationalpark war dann relativ ereignislos. Einzig die beiden Büffel, die fünf Meter von der Straße entfernt grasten, waren sehenswert. Aber wer interessiert sich noch für Büffel, das sind ja eigentlich nur flauschige Kühe 😉

Vor der Tour durch die Wind Cave waren wir etwas skeptisch, ob uns die Höhle gefallen würde oder nicht, da wir ja bereits einige Höhlen gesehen hatten. Tatsächlich wurden wir aber wieder überrascht: Sie war völlig anders, als erwartet und richtig toll.

Einzigartig waren die Gänge, die sehr eng waren (selbst Yasmin musste sich häufiger ducken), was einen leicht klaustrophobischen Effekt erzeugte und das sog. Boxwork, das hier fast alle Wände und Decken bedeckt. Das sind feine Strukturen, welche frühe Erforscher an Pappe erinnert haben (darum der Name). Für uns wirkten sie aber eher wie die Überreste der Brutstätte überdimensionierter, außerirdischer Insekten. Zusammen mit der Enge hätte man hier gut Szenen für die Alien-Filme drehen können.

Der Eindruck wurde dadurch noch verstärkt, dass es nur wenige größere Räume gab, in denen sich die 40 Teilnehmer sammeln konnten. So gingen gefühlt neben Yasmin und mir nur drei weitere Personen durch die engen Gänge. Vom Rest bekamen wir meistens nichts mit.

Die die Tour führende Rangerin erzählte größtenteils dasselbe, was wir bereits bei der Tour in der Jewel Cave am Vortag mitbekommen haben. Dort fanden wir beide die Erklärungen jedoch informativer und irgendwie besser, was aber wohl einfach an der Präsentation der anderen Rangerin lag. Beide Höhlen waren auf jeden Fall richtig gut und sehr besuchenswert.

Es gilt übrigens dasselbe wie bei der Jewel Cave bezüglich der Fotos: Die sind schwierig und sehen im Nachhinein eher wie abstrakte Kunst aus. Trotzdem habe ich während des Besuchs immer richtig viel Spass dabei sie zu machen 😀

Nach der Tour wollten wir eigentlich noch einen kleinen Trail machen, aber das Wetter hat sich von leicht mies (bewölkt und kalt) zu ziemlich mies (bewölkt, kalt und regnerisch) gewandelt. Dementsprechend hatten wir eine wunderbare Ausrede, um die vierstündige Autofahrt nach Cheyenne, Wyoming direkt anzutreten.

Fahrt nach Cheyenne

Wie das in den USA so üblich ist, sieht man auf einer so langen Fahrt Unmengen am Straßenrand aufgestellter Schilder. Diese sind zu 99 Prozent Werbung für Restaurants, Hotels, Casinos, Shows usw. In Großstädten witzigerweise auch häufig für auf Autounfälle spezialisierte Anwälte, also Werbung direkt beim Klienten.

Ab und an sind diese aber auch sehr amerikanisch. Ein Beispiel dafür waren die Schilder für das Gutzon Borglum Museum: Dies war der Künstler, der die Vorlage für Mount Rushmore erstellt und auch die Bauarbeiten beaufsichtigt hat. Die Schilder trugen sein Gesicht und den Schriftzug: “His Legend will enrich your Patriotism”. Man stelle sich das als Werbung für ein Museum in Gedenken an Helmut Kohl vor 😀

Abstruser waren die Schilder der Pro-Life-Bewegung, die wir in Wyoming und South Dakota ab und an gesehen haben. Das ist die Anti-Abtreibungsbewegung in den USA, die der Gegensatz zur Pro-Choice-Bewegung ist. Das Thema ist hier neben der individuellen Bewaffnung ähnlich ideologisch, wie die Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen.

Ich finde es auf jeden Fall höchst scheinheilig, dass Menschen, die den größten Wert auf individuelle Freiheit und Unabhängigkeit legen, diese bei diesem Thema, was wohl persönlicher und privater nicht geht, einschränken wollen. Weiterhin geht die Lebensbejahung dann auch nur bis zur Entbindung: Sobald diese vorüber ist, ist jeder auf sich gestellt und darf alleine unter der Brücke verhungern…

Hochzeitstag

Am nächsten Tag war der Hochzeitstag von Yasmins Schwester. Bis zur Live-Schaltung hatten wir noch ein wenig Zeit und so schliefen wir aus und schlenderten dann zum Frühstück. Dieses war der Alptraum jedes Diabetikers, für mich also ein Fest. Der Höhepunkt war wie immer der Waffle Maker: Das ist eigentlich ein normales Waffeleisen, nur das es fünfmal soviel Platz braucht und viel umständlicher zu bedienen ist.

Zudem stolperten wir beim Frühstück direkt über das Thema Müll. In Deutschland sind wir alle hinsichtlich des Themas ja sehr sensibilisiert und auch, wenn es nicht immer einfach ist, so haben auch wir versucht (Plastik-)Müll zu vermeiden, so gut wie es geht.

Daher fiel uns in den Staaten gleich auf, wieviel unnötiger Müll hier produziert wird. Das ist beim Hotelfrühstück besonders gut zu sehen: Besteck und Geschirr besteht aus beschichteter Pappe bzw. Plastik. Außerdem war dieses Mal jedes Besteckteil noch einmal separat mit Plastikfolie verpackt. Dies trifft natürlich auch auf fast alles zu, was man essen kann zu, also Bagels, Muffins usw. Das Frühstück von zehn Personen hat die gereicht, um die aufgestellte Mülltonne mehr als halb zu füllen und obwohl wir uns schon die Cornflakes-Schüssel geteilt haben, war am Ende trotzdem unser ganzer Tisch mit Plastik überfüllt. Das ist wirklich schlimm!

Anschließend waren wir noch im Outdoor-Laden und bei Walmart einkaufen: Morgen fahren wir für drei Tage zum Campen in den Rocky Mountain National Park, wofür wir noch Essen benötigen, das sich mit etwas heißem Wasser zubereiten lässt.

Wie üblich brauchten wir viel mehr Zeit als gedacht im Walmart, weil die Auswahl absurd groß ist: Wieso sollte man sich mit zehn verschiedenen Chipssorten zufrieden geben, wenn man über 50 haben kann?

Bis zur Hochzeit war dann noch Zeit, um ein paar Videoanrufe zu tun und die Wäsche zu waschen.

Für die Hochzeit wurden wir per Internet zugeschaltet und konnten ein paar Worte an Aylin und Dominik richten. Anschließend wurde das Video abgespielt, dass wir für die beiden vorbereitet hatten. Wir konnten ihre Reaktion sehen, was sehr schön war und hatten den Eindruck, dass es den beiden gut gefallen hat. Wie schon geschrieben waren wir sehr traurig, dass wir nicht dabei sein und mitfeiern konnten.

Die Vorbereitung des Videos hat übrigens einiges an Zeit gefressen, weswegen ich bisher noch keine Zeit hatte, Videos aus den USA anzufertigen. Diese werden nun aber einigermaßen zeitnah nachgereicht.

Der restliche Tag verging mal wieder viel zu schnell mit Beiträge schreiben, weitere Reise planen, Wäsche abnehmen usw.

Morgen geht es für uns, wie bereits geschrieben, weiter in den Süden, wo wir im Rocky Mountain National Park campen werden. Wenn der Wetterbericht Recht behält, sollten wir großartiges Wetter und nur am Abfahrtstag am frühen Nachmittag Regen bekommen. Mal schauen…

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