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20.07.2022: Alta Via 2 – Das erste Drittel

Wir haben den Puez-Geisler und die Sella hinter uns gelassen. Damit sind die ersten vier Tage, knapp 54 km und 6.310 Höhenmeter in Auf- und Abstieg geschafft!

Nur noch 9 weitere Tage…

Video zur Alta Via 2

Eine kurze Zusammenfassung unserer Tour:

Tag 1: Der Aufstieg
16,00 km, 623 m, 737 m, 6:00 Std.

Nach fast 4 Tagen Pause ging es heute wieder los, die erste Etappe der Alta Via 2 stand an. Unser Hotel lag dafür mehr als perfekt, denn der Weg startet quasi fast um die Ecke. Also haben wir unser Auto dort auf dem Parkplatz zurückgelassen und sind losgezogen.

Tatsächlich begann die Wanderung dann mit einer Gondeltour, diesmal aber im Einklang mit allen gängigen Wanderführern.

Da uns die Gondel neben unserem Hotel allerdings nicht direkt zum Startpunkt brachte, sondern schon ein wenig von dem Weg verkürzte, nahmen wir direkt zu Beginn erstmal noch einen 40-minüten “Umweg” zur Plosehütte in Kauf, um auch wirklich am Anfang des Trails zu starten.

Zur Belohnung gab es auf dem Weg dann aber noch viele schöne Fotomotive.

Von der Plosehütte ging es dann richtig los. Der Weg selbst war wunderbar; zwar eng, aber gut zu laufen und nur wenig steinig/ wurzelig.

Nur die Fliegen auf dem ersten Stück waren echt eklig! Teilweise waren um uns herum mehr Fliegen, als um die Kühe…

Kurz bevor dann unser Anstieg zur Peitlerscharte startete, stellte Kai fest, dass er die GoPro irgendwo liegen gelassen hatte… mal wieder. Da eigentlich nur die letzte Almgaststätte in Betracht kam, legte er kurzentschlossen eine kleine 2 Kilometer lange Joggingeinlage ein, bei knapp 28 Grad. Immer hin hat er die GoPro – im Gegensatz zum letzten Mal – auch wieder gefunden.

Nachdem wir alle Sachen wieder beisammen hatten, startete der brutal steile Anstieg zur Peitlerscharte. Ich hab mich dabei heute besonders gequält, da ich irgendwie ein wenig kränkelte und schlecht Luft bekam. Insoweit dauert der Aufstieg auch ewig.

Endlich oben angekommen, stand eine kleine Pause an, danach waren es nur noch knapp 30 Minuten zur Schlüterhütte. Diesen Abschnitt kannten wir schon vom letzten Jahr und es war genauso schön wie in unser Erinnerung!

Nun sind wir endlich an der Schlüterhütte angekommen und lassen den Abend frisch geduscht in der Sonne ausklingen. Wir haben schrecklich Hunger und hoffen, dass es bald Abendessen gibt.

Tag 2: Scharte, Scharte u. Gipfel des Piz Duleda
11,57 km, 837 m, 700 m, 6:06 Std.

Heute stand eine bekannte Etappe an, denn die Strecke von der Schlüter- zur Puezhütte sind wir schon im letzten September einmal gegangen. Dementsprechend wussten wir aber auch: Um potentiellen Steinschlag auszuweichen, lohnt es sich früh an der Roa-Scharte anzukommen.

Insoweit sind wir gleich nach dem Frühstück gestartet und haben dann auch relativ schnell die wenigen Mitläufer hinter uns gelassen. Das Wetter war – nachdem sich der Frühnebel nach kurzer Zeit verzogen hatte – super, aber eigentlich schon fast zu warm. Dafür waren die Aussichten genauso wundervoll wie wir sie in Erinnerung hatten.

Zudem hatte sich mein „was-auch-immer“ vom Tag davor über Nacht verzogen, so dass auch die Aufstiege kein Problem waren. Schnell haben wir dann daher zuerst die Roa-Scharte und anschließend auch die Nieves-Scharte hinter uns gelassen.

Da es noch sehr früh war, entschlossen wir uns zu dem one-way 30-minütigen Abstecher auf den Piz Duleda auf 2.909 Metern. Diesen hatten wir im letzten Jahr ausgelassen, um stattdessen auf die Puezspitze zu steigen.

Am Ende hat sich der Abstecher auf jeden Fall gelohnt, denn es waren nicht mehr so viele Höhenmeter, dafür war die Aussicht war einfach unglaublich. Dank des guten Wetters konnten wir bis zur schneebedeckten Marmolada schauen – wirklich ein Traum.

In der allgemeinen Verzückung haben wir dann allerdings nicht aufgepasst und so hat sich eine sehr zutrauliche Krähe meinen Apfelbutzen gekrallt…Böser Vogel!

Der restliche Weg verlief ohne Probleme und trotz Pause mit Schuhe ausziehen und Kais neuer Leidenschaft “Blumenfotografie” kamen wir schon um 14.00 Uhr an der Puez-Hütte an. Dort scharrten wir quasi mit dem Hufen, um die ersten beim Check-In um 15.00 Uhr zu sein, was auch klappte.

Unser Gewinn: Die besten Betten im Lager (wussten wir vom letzten Jahr) und die ersten in der Dusche, nachdem sich dort kurze Zeit später ewig lange Schlangen bildete. Insgesamt also ein mehr als erfolgreicher Tag!

Tag 3: Hitze u. Menschenmassen am Grödner Joch
9,6 km, 731 m, 630 m, 4:30 Std.

Nachdem wir uns heute morgen – wie zu besten Corona-Zeiten – für die Frühstücksausgabe in der Puez-Hütte für jeweils drei Stücke Brot und etwas Belag anstellen durften, ging es mal wieder eher früh los.

Über eine Hochebene verließen wir den Naturpark Puez-Geisler. Das war zwar relativ eben, was uns gut gefiel, aber auch brütend heiß, was uns nicht so gut gefiel. Etwas entschädigt wurde man durch die Ausblicke, jedoch nicht ausreichend.

Nach etwas auf und ab ging es an den Abstieg zum Grödner Joch. Dieser war zwar etwas steil, aber insgesamt gut zu gehen. Viel störender waren die Massen an Menschen, die sich den Weg hinaufquälten.

Wir waren echt ein wenig verwirrt, warum man bei 26 Grad und knallender Sonne über 400 Höhenmeter nach oben läuft, nur um sich dann dort inmitten vom Menschenmassen einen Platz zum Ausblick zu suchen.
Für uns war es auf jeden Fall blöd, da wir keine zehn Meter gehen konnten, ohne anhalten zu müssen, um jemanden in Turnschuhen oder Sandälchen auf dem schmalen Weg vorbei zu lassen.

Dementsprechend waren wir froh, als wir endlich unten angelangt waren.

Unerfreulicherweise war anschließend gleich wieder die nächste Gebirgsgruppe besteigen: Die Sella.

Nachdem der Weg zunächst ohne viel An- und Abstieg am Hang entlang lief, ging es dann durch das Setus-Tal in steilen, gerölligen Kehren nach oben. Den krönenden Abschluss bildeten dann die seilversicherten Klettereinlagen, die uns die letzten 100 Höhenmeter einbrachten.

Komplett verschwitzt an der Hütte angekommen, wurden wir damit überrascht, dass die Duschen aufgrund des Wassermangels eventuell nicht genutzt werden können. Mehr Informationen sollte es gegen 15.00 Uhr geben.

Nach zwei Stunden Ungewissheit wurden wir erlöst: Die Dusche wurde geöffnet und wir waren einmal mehr die ersten beiden.

Den restlichen Tag haben wir gutriechend mit nichts Sinnvollem verbracht. Alles richtig gemacht.

Tag 4: Felswüste
16,51 km, 761 m, 1.291 m, 7:00 Std.

Für mich (Kai) begann der Tag nicht besonders gut: Das Bett war mit 1,80 Meter zu kurz, weswegen ich nicht gut schlafen konnte. Aus diesem Grund war der Morgenkaffee heute noch willkommener als sonst. Leider bestand das restliche Frühstück aus abgezählten Brot- (vier eher kleine Scheibchen) und Salami- und Käsescheiben. Nicht befriedigend.

Wandertage können gut und schlecht beginnen. Gut: Nach dem ausgiebigen Frühstück geht es zunächst für mehrere Kilometer eben auf angenehmen Wegen geradeaus. Schlecht: Nach einem kargen Frühstück geht es ohne Aufwärmphase direkt an den Aufstieg. Heute war ein Tag der zweiten Kategorie.

Über 500 Höhenmeter durften wir gleich zu Anfang bergauf wandern, klettern und kraxeln. Schön war, dass das Wetter zwar sonnig, aber nicht zu heiß war. Außerdem war die Aussicht auf dem Hochplateau der Sella-Gruppe absolut großartig. Eine karge Steinwüste mit hoch aufragenden Felstürmen und tiefen Tälern. Bestimmt nicht jedermanns Sache, aber wir waren begeistert.

Nach einem kurzen Stopp an der Boé-Hütte bereiteten wir uns mental auf die fast 700 Meter Abstieg durch die geröllige Pordoi-Rinne vor. Gestört wurden wir dabei ein weiteres mal durch viele Tagestouristen: Eine Seilbahn spuckte diese unaufhörlich aus, so dass wir uns um unser Erfolgsgefühl, den Berg selbstständig erklommen zu haben, leicht betrogen fühlten.

Der Abstieg ging dann schneller als erwartet: Anstelle von zwei Stunden gingen/ schlitterten wir nur anderthalb Stunden bergab.

Fazit: Ich bin mehrfach ausgerutscht und auf dem Hintern gelandet und einer meiner Trekking-Stöcke ist dabei verbogen. Yasmin, die solche Abstiege aus tiefstem Herzen hasst, ist ohne viel Probleme runter gekommen. Insgesamt also ein gemischtes Ergebnis.

Unten angelangt habe ich meinen Stock notdürftig unter Zuhilfenahme eines Bordsteins wieder in Form gebracht, so dass er die restliche Tour wohl wieder funktionieren sollte. Die Wahrheit dazu wird sich dann aber wohl erst an der nächsten steilen Passage zeigen 😉

Obwohl wir nach dem Abstieg eigentlich schon hüttenfertig waren, mussten wir noch etwa zwei Stunden auf dem Viel del Pan bzw. Bindelweg hinter uns bringen. Von diesem hat man einen sehr schönen Ausblick auf die Marmolada, von welcher man nur durch ein Tal getrennt ist. Aus diesem Grund waren hier auch wieder sehr viele Wanderer unterwegs.

Endlich an der Hütte / Hotel angekommen, genossen wir die warme Dusche, die weder extra bezahlt werden musste noch zeitlich limitiert war.

Zusammen mit den Frotté-Handtüchern und der Waschmaschine purer Luxus. Als Sahnehäubchen gab es dann zum Abendessen auch noch richtig gute Pizza. Und Cola. Absoluter Wahnsinn!

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